NFC in Kleidung – Digitalisierung der Kleidungsindustrie

NFC Tag auf grauem Kleidungsstück 

Globale Entwicklungen hatten schon immer einen großen Einfluss auf Mode, Modetrends und die Kleidungsindustrie. Zwei Aspekte in denen sich das erkennen lässt ist einerseits der immer wichtiger werdende Faktor der nachhaltigen Produktion und Distribution und andererseits die Sicherstellung der Originalität, um Fälschungen mit minderer Qualität zu verhindern.

Dieser Artikel soll das Thema der Digitalisierung von Kleidungsstücken auf Basis von NFC beleuchten und darstellen, wie NFC die genannten Ziele unterstützen kann und welche Beispiele bereits im Markt existieren.

Grundlagen von NFC in Kleidungsstücken

Wie im Grundlagenartikel zu NFC erläutert, können NFC-Tags von allen modernen Smartphones ausgelesen werden, um beispielsweise automatisch eine Website zu öffnen. Dies ist die Grundlage für alle Anwendungsfälle, die dem Endkunden einen zusätzlichen Mehrwert bieten sollen. So könnte ein NFC-Tag, eingebettet in ein Wäschelabel, im simpelsten Fall ausführlichere Pflegehinweise geben, als auf ein herkömmliches Label passen würde. Dadurch, dass ein NFC-Tag aber zusätzliche Mechanismen besitzt, die dessen Einzigartigkeit sicherstellen (z.B. weltweit eindeutige Seriennummer), können deutlich weitergehende Anwendungsfälle realisiert werden, wie im Folgenden dargestellt wird.

NFC in Kleidungsstücken für eindeutige Nachvollziehbarkeit

Produktionsbedingungen großer Kleidungshersteller rücken medial immer wieder in den Mittelpunkt. Leider allzu oft erst durch auftretende Skandale in verschiedensten Produktionsländern. Herkunft und Herstellungsprozess von Kleidung nimmt daher einen immer höheren Stellenwert ein und gilt als zusätzlicher Faktor für die Kaufentscheidung. Durch die globale Verzweigung der Produktions- und Lieferketten ist das Schaffen von Transparenz eine der wesentlichen Herausforderungen.

Durch den Einsatz eines eindeutigen NFC-Tags ist es möglich, neben den grundlegenden Produktinformationen, auch den eindeutigen Werdegang darzulegen. So könnten beispielweise entlang der Produktionskette, durch den Scan des NFC-Tags im Kleidungstück, die einzelnen Produktionsschritte nachgehalten werden. Dabei sind NFC-Tags robust gegenüber äußeren Einflüssen und fälschungssicherer als konventionelle Kleidungslabel. Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Individualität können somit auf ein ganz neues Level gehoben werden. Im Folgenden wollen wir einige Beispiele vorstellen, die NFC bereits für solche Zwecke einsetzen.

NFC-Chip im Schuh um Produktion zurückzuverfolgen

Der Sneakerhersteller Satoshi versieht seine Produkte mit einem eigenen NFC-Chip, um den Kunden über den Produktionsweg jedes einzelnen Schuhpaars zu informieren. Der Chip gibt u.A. Auskunft über Herstellungsort- und Prozess. Wo bei anderen Produkten in der Regel nur das Herkunftsland steht, zeigt Satoshi für jedes Paar Schuhe, wann und wo es verarbeitet wurde.  

Die Technik hinter dem NFC-Chip ist, dass dieser mit einem Online-Portal verknüpft ist, welches jeden Arbeitsschritt speichert und diesen zusätzlich per Blockchain-Algorithmus signiert. Zugriff auf die Informationen und dessen Erweiterung erfolgt durch den Scan des Schuhs. Durch diese Technik ist es außerdem möglich, dass sich auch nachfolgende Besitzer dieser Blockchainkette hinzufügen. Somit können weitere Besitzer sehen, wem die Schuhe bereits einmal gehört haben. Satoshi will seinen Kunden durch diesen Einsatz von NFC in den eigenen Produkten nachvollziehbar und unkompliziert darlegen, welche Produktionsschritte die eigenen Schuhe durchlaufen haben. Durch die geschaffene Nachvollziehbarkeit ist jeder Produktionsschritt transparent, sodass u.A. sichergestellt wird, dass die Sneaker unter fairen Bedingungen hergestellt wurden.

NFC für detaillierte Materialherkunft im Pullover

NFC Knöpfe eingenäht auf blauem Hemd

Ein Kleidungshersteller geht noch weiter und bietet seinen Kunden noch mehr Transparenz durch den Einsatz moderner NFC-Technologie in der Kleidung. SheepInc setzt nicht nur auf hochwertiges Material und Verarbeitung, sodass die Kleidungsstücke langlebiger sind, die Firma verarbeitet außerdem einen kleinen NFC-Chip in der Größe eines Knopfes in jedem Kleidungsstück. Dieser NFC-Knopf gibt Auskunft über die Herstellung, die Herkunft und sogar – und das ist das Besondere – von welchem Schaf die Wolle stammt. Um Informationen, wie z.B. Name, Größe, Gewicht, Herkunft und Rasse des Schafes zu bekommen, genügt es das Smartphone über den NFC-Knopf zu halten. Der Hersteller bietet dadurch die Möglichkeit sich über das Wohl des Tieres zu informieren und eine gewisse Beziehung zu ihm aufzubauen. Außerdem wird dem Käufer angezeigt, wieviel CO2 der Kauf des Produktes eingespart hat. Durch die eindeutige ID des NFC-Tags wird für jeden Pullover seine eigene Geschichte festgehalten. Die verknüpften Informationen sind im Internet gespeichert und können somit auch immer flexibel angepasst werden, sodass der Status des Schafes keine Momentaufnahme ist, sondern mit dem Pullover weiter existiert und sich auch verändern kann. NFC ermöglicht es die Informationen effizient und schnell zu vermitteln und auf jedem individuellen Pullover zu vermerken.

NFC für zusätzliche Services zum Kleidungsstück

Der schweizerische Bergsport-Kleidungshersteller Mammut verarbeitet seit 2019 erstmals einen NFC-Chip in seinen Kleidungsstücken (MammutConnect). Der Scan dieses Chips bietet Zugang zu einer eigenen App, die dem Kunden auch nach dem Kauf noch Informationen und Serviceangebote zu dem gekauften Produkt anbietet, wie beispielsweise eine After-Sales Betreuung, oder eine Garantieverlängerung. Außerdem können in der App auch Erfahrungen und Fotos von einer Reise, oder Touren hochgeladen werden. Der Hersteller nutzt die NFC Technologie, um individuell mit jedem Kunden in Kontakt zu bleiben und bietet durch die hinterlegte Onlineschnittstelle außerdem einen Austausch mit der Community an. Der NFC-Chip ist hier sowas wie Schnellwahltaste für Produktinformationen, Services und Community Zugang. Niemals zuvor war das allein nur durch den Kontakt mit einem Kleidungsstück möglich. Der Bergsport-Kleidungshersteller macht sich hier außerdem noch einen weiteren Vorteil von NFC-Chips zu Gute: Mit der richtigen Verarbeitung sind NFC-Tags in Kleidungsstücken sehr robust und witterungsbeständig und halten dadurch auch z.B. starken Regen, oder Waschgänge gut aus.

NFC in Kleidungsstücken gegen Produktfälschung

Jeder NFC-Tag hat eine eindeutige ID (UID) die es nur einmal auf der Welt gibt, sodass jedes Produkt als Unikat ausgewiesen werden kann. Die eindeutige Seriennummer eines NFC-Tags ist somit nutzbar, um die Fälschungssicherheit eines Produktes zu gewährleisten. Der Vorteil gegenüber einem konventionellen Fälschungsschutz ist die digitale, zentrale Datenbank aller UIDs, die online hinterlegt wird. Durch diese können sowohl Hersteller, als auch Kunde, die Echtheit durch einen einfachen Scan des NFC-Tags überprüfen. Das macht jedes NFC-Kleidungsstück fälschungssicher.

Ein NFC-Tag kann unsichtbar oder sichtbar in einem Kleidungsstück verarbeitet sein. Täuschend echte Nachbildungen und Plagiate können somit durch einen schnellen Scan entlarvt werden. In manchen Nationen, wie beispielsweise Russland, gehören Produkte, wie z.B. Schuhe und Kleidung seit 2018 gesetzlich gekennzeichnet und nachvollziehbar (Regierungsbeschluss Nr. 792-R vom 28. April 2018). Jedes Produkt muss hier mit einem eindeutigen Code und Schüssel versehen sein. Durch die Implementierung eines NFC-Tags beim Erstellen des jeweiligen Produktes, kann dieses Prinzip auf alle erdenklichen Kleidungsstücke übertragen werden.

NFC-Tags besonders robust in Kleidungsstücken

NFC-Chips sind klein und können vielfältig verarbeitet sein. Da sie biegsam sind können sie auch gut in Textilien eingearbeitet werden. Solch verarbeitete NFC-Tags müssen dann Waschgänge, Witterungsbedingen und diversen äußeren Einflüssen standhalten können. Da NFC-Chips auch durch Plastiken und Stoffe hindurch gescannt werden können, lassen sie sich gut durch robuste Materialien ummanteln und schützen. So ist beispielweise unser NFC-Wäsche-Tag in einem PPS Material nach IP68-Standard unter Wasser geschützt.

Neben NFC-Labels bieten sich auch Knöpfe gut an, um darin einen NFC-Chip zu integrieren. Durch zwei kleine Löscher kann der NFC-Chip wie ein Knopf an Kleidung angebracht werden. Auch der NFC-Knopf ist wasserfest und hält Temperaturen von bis zu 180°C und sogar Chemikalien aus.

Zusammenfassung

NFC-Tags erlauben das Speichern von verschiedenen Informationen auf kleinstem Raum und ohne Stromquelle. Der Zugriff erfolgt bequem per Smartphonescan. Darüber hinaus sind NFC-Tags meist sehr klein, dünn und biegsam, wodurch die problemlos in Textilien verarbeitet werden können. Jeder Tag besitzt eine eigene Identifikationsnummer (UID), die den Tag, und damit das auch Produkt, zu einem Unikat macht. Die UID kann durch eine zentrale Datenbank gesichert und verwaltet werden, was das Produkt fälschungssicher macht.

In diesem Grundlagenartikel zeigen wir viele weitere Anwendungsfälle auf. Wenn Sie Fragen bezüglich genauerer Anwendungsfälle und Produktdetails haben, sprechen Sie uns gerne an. Auch bei speziellen Fragen, die unsere robusten und resistenten NFC-Produkte umfassen, helfen wir Ihnen gerne weiter!

Weiterführende Quellen

Erstellt: 23.07.2020 / Aktualisiert: 06.08.2020 2020-07-23 2020-08-06